Brooklyn Blog



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aktuell

Donnerstag, 28. August 08

CHANGE
The party is over. The next one - of the Republicans - starts next week.






Mittwoch, 27. August 08
CHANGE, das ist das meist gebrauchte Wort bei der Democratic Convention. Nachdem nun sich Martin Luther Kings world-famous Rede "I had a dream", die er 1963 in Washington vor 200 000 Demonstranten hielt, sich zum 45. mal jährt, dachten wohl einige Reder: Da guck ich mir was ab. Mal wars der Satz "This is not the change we need", dann "It's time for change" oder ähnliche Variationen, die förmlich zum Mitsprechen aufriefen.
Erstaunlich für uns Deutsche ist der Stellenwert der Familie. So wurde Joe Biden von seinem Sohn eingeführt. Woraufhin die ersten Minuten der Rede des vielleicht nächsten Vizepräsidenten der USA erstmal über seine großartigen Kinder und Frau ging. Auch seiner Mutter wurde gedankt. Und am Schluß stand der gesamte 30-köpfige Biden-Clan (samt Urgroßmutter) auf der Bühne. Am Ende kam auch überraschend Barack Obama erstmals kurz auf die Bühne, vertröstete aber alle Anwesenden auf morgen, wenn er im Stadion seine große Rede hält.
Gestern hielt zudem Hillary die Versöhnungsrede, die Bill heute fortsetzte.
Der eigentliche Wählprozeß von Barack Obama zum Präsidentschaftskanidaten erinnerte mich etwas an den Grand-Prix-de-Chanson-d'Eurovision: Die Chairwoman fragte alle 50 Staaten (plus Puerto Rico) nach deren Stimmen ab. Die einzelnen Staaten applaudierten dann erstmal sich selbst, stellten sich vor und fingen dann ihre Stimmen zu vergeben: die meisten an Obama, ein paar an Clinton und ganz wenige Enthaltungen (Buuuh). Die spannende Frage war somit, wann würde Obama die absolute Mehrheit erhalten. Dem kam Hillary zuvor, in dem sie, als der Staat New York an der Reihe war, ihn als Sieger anerkannte.



Dienstag, 26. August 08
Die endlose Live-Berichterstettung geht weiter. Olympia ist vorbei (wobei da das wenigste hier live gezeigt wurde) und die Democratic Convention hat gestern begonnen, mit gorßen Herz-Schmerz Reden von Ted Kennedy und Michelle Obama, die nicht über sozialistische Ideen sprach, sondern über ihre Liebe zu ihrem Mann und wieso er der bessere Päsident sein wird. Auch die zwei wirklich süßen Kinder bekamen das Mikro in die Hand. Im Anschluß gab es unzählige Expertenrunden, die erklärten, dass dies nun der entscheide Schritt nach vorne war oder eben natürlich nicht.
Auf Barack Obama, der nur kurz aus Kansas City live zugeschaltet wurde, muß man noch bis Donnerstag warten. Es ist halt wie mit dem Weihnachtsmann: die Vorfreude ist die größte Freude. Heute wird die Versöhnungsrede von Hillary Clinton erwartet.
Insgesamt erinnert die Convention mehr an ein Rock-Konzert oder an Deutschland-sucht-den-Superstar als an einen Parteitag, wie man ihn aus Deutschland kennt.


Sonntag, 24. August 08
Gestern war ich bei einer Eröffnung im Brooklyn Artists Gym, dort wo ich nun meinen Arbeitsplatz seit neuestem habe. Und prompt traf ich eine deutsche Künstlerin - Paula Müller - die dort ausstellte. Und schnell stellte sich heraus, dass sie ebenfalls, wie ich in Münster an der Fachhochschule Grafik-Design studiert hatte. Sie fing dort aber erst an als ich bereits fertig war. Dann wechselte sie an die dortige Akademie. Gemeinsame Freunde gibt es natürlich auch: Dirk Henning, der zudem sehr schöne Arbeiten macht (siehe hier).
Im Anschluß ging ich mit Vesna endlich zu einer Veranstaltung des Rooftopfilm Festivals. Auf dem Dach der ehemaligen American Can Factory (ebenfalls in Gowanus, Brooklyn) wurde der Film Munyurangabo ("A stunning neo-realist drama about revenge and friendship in post-genocide Rwanda.") gezeigt. Leider wurde es im Laufe des Abends dort auf dem offenen Dach sehr kalt. Man konnte sogar einige Sterne sehen, aber die meisten leuchtenden Punkte waren doch nur Flugzeuge. Und in der Nachbarschaft gab es ein vier Raketen umfassendes Feuerwerk. But You must know that's illeagal in State New York. Da ich keine Kamera dabei hatte, hier ein Foto von der website des Rooftop Festivals.



Samstag, 23. August 08
Joseph Biden soll es also zusammen mit Barack Obama richten. Ob das gelingt, da gehen die Meinungen auseinander. Erstmal beginnt am Montag die erste große Inszenierung auf der Convention der Demokraten in Denver.
Gestern habe ich mich für die nun noch ausstehenden gut 2 Monate in ein Gemeinschaftsatelier in der Nähe des Gowanus Canal eingemietet. Nun gibt es keine Ausreden mehr. Ich muss nun arbeiten. Das Atelier befindet sich ganz inder Nähe des F- und G-Trains, wo diese oberirdisch fahren um eben jenen Kanal zu überqueren. Und die Streben und Stelzen sind nun seit mindestens sechs Jahren in schwarzen Stoff eingehüllt. Schon 2002 als ich in Williamsburg für einen Monat ein Residenzstipendium vom BBK Bremen hatte, war ich zufällig dort und nicht minder fasziniert von diesem Gerüst.




Bei den Turmspringern bei den Olympischen Spielen gibt es einen jungen US-Amerikaner Namens Thomas Finchum. Ausgesprochen klingt es aber eigentlich mehr nach "pin-schen". Isn't he the son of the elusive novel writer Thomas Pynchon?




Dienstag, 19. August 08
Seit gestern kostet die Werktagsausgabe der New York Time nicht mehr 1 Dollar 25 sondern 1,50. Das ist auf Euro umgerechnet natürlich immer noch günstig, aber doch eine Preissteigerung von 20 Prozent. Die Wohnungspreise in Manhattan scheinen - laut Aussagen von Freunden - hingegen eher zu fallen. Aber aufgrund der Investmentkrise benötigt man nicht mehr nur 10% Eigenkapital, sondern 20. Aber trotzdem werden an allen Ecken in Manhattan Wohntürme gebaut. Das mag auch daran liegen, dass momentan viele Europäer anfangen hier zu kaufen. Es ist auf jeden Fall viel billiger als in London, aber scheinbar ist der Gewinn bei Wiederverkauf auch nicht gesichert. Wie die New York Times berichtet steigt die Inflation: "
Inflation at the wholesale level is running at the fastest annual pace since 1981, with a 9.8 percent gain over July 2007, while the number of new houses and apartments that builders obtained permits for or began building slumped to their lowest levels in 17 years, according to new government statistics",
Und am nächsten Montag beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs, denn die Demokraten halten ihre Convention ab und werden versuchen Obama als All-American guy darzustellen.



Sonntag, 17.August 08
Dinge sind anders. Ich als sportbegeisterter Mensch schau natürlich momentan Olympia. Um es vorwegzunehmen, es macht hier keinen Spaß.
Inzwischen ist ja zumindest das Phelbs-Thema weitgehend durch, allerdings kommt er samt Familie noch zum großen Interview ins Studio. Aber gestern zum Beispiel beim 50-Meter-Freisitl-Finale der Frauen, wurde Britta Steffen, die ja schon Olympiasiegerin war, nicht mit einem Wort bei der Vorstellung der Finalschwimmerinnen als mögliche Medallienkanidatin erwähnt. Es ging nur um Dana Torres und entsprechend groß war die Verwunderung und Enttäuschung, dass diese mit 41 "nur" Silber holte. Ich hingegen freute mich, endlich mal einen deutschen Olympiasieg live zu sehen. Denn bis auf Schwimmen und die Manschafts-Turnfinals wird nichts live gezeigt. Alle Leichtathletik-Entscheidungen, die hier morgens zu sehen wären, werden erst abends als quasi live den Zuschauern präsentiert. Die einzigen Events die zudem, live zu sehen sind, sind Softball (gerne auch Australien gegen Südafrika) oder (Beach-)-Volleyball und andere Teamsportarten. Und das obwohl auf bis zu drei Sendern der NBC-Family Olympia gezeigt wird. Also hoffe ich schwer, dass die deutschen Fußball-Frauen das Fianle gegen die USA spielen.

Und wenn Entscheidungen des Tages im Re-Live gezeigt werden, habe ich die Ergebnisse schon längst im ARD-Ticker gelesen.
Und Nutella schmeckt hier auch völlig anders. Da will man ein wenig Heimatgefühl beim Frühstück haben und dann so etwas.
Zumindest hat IKEA das identische Sortiment wie in Deutschland, nur der Blick im fiktiven Schlafzimmer ist ein Besserer.





Dienstag, 12.August 08
Unser Deli des Vertrauen befindet sich keine 30 Meter von unserer Wohnung entfernt, Pacific Street Ecke Court Street. Dort kann man fast alles was man zu essen braucht kaufen. Allerdings natürlich keinen Alkohol (und nicht mal Bier) und auch nicht dieses sagenhafte amerikanische Rindfleisch. Aber man bekommt frische Pasta, gerösteten Kaffee, Oliven und andere italienische Leckereien. Es gibt auch eine riesen Auswahl an europäischem Käse (von Appenzeller bis was-weiss-ich). Und dank des guten Wechselkurses ist der Käse nicht teurer als in Deutschland. Selbst dann nicht wenn man den hiesigen Pfund-Preis (1 lb = 453 g) auf das deutsche Kilo umrechnet! Allerdings scheint das mehr zum guten Sortiment eines Feinkostladens zu gehören, denn viele dieser abgepackten Stücke liegen dort 2 Monate und länger. Soweit haben sich dann die europäischen Essgewohnheiten dann doch nicht in Brooklyn durchgesetzt.
Vor dem Laden auf dem Gehweg gibt es zudem eine hervorragende Auswahl an Obst und Gemüse. Tolle Beeren, Aprikosen, Nektarinen oder Avocados. Ständig kontrollieren zwei oder drei Mexikaner, ob nicht irgendetwas gammelig ist. Anfangs wunderte ich mich, dass ich abends nie gesehen habe, wie das Gemüse weggeräumt wurde. Ich dachte, das liegt an den langen Öffnungszeiten (Mo-So 7am-11pm) oder dass ich nie darauf geachtet hätte. Eines Nachts kam ich um 3 nach Hause und weiterhin stand das Gemüse und Obst abgedeckt draußen. Und auch weiterhin draußen saßen zwei Mexikaner, die dort die Nacht über Wache hielten.



Montag, 11.August 08
Jetzt laufen die Olympischen Spiele seit 3 1/2 Tagen und ich habe mich inzwischen ein wenig mit der Übertragungsphilosophie von NBC arrangiert. Dass die Eröffnungsfeier erst mit 12 Stunden Verzögerung, und somit zur besten hiesigen Prime-Time, "Live" gezeigt wurde, war vor allem nervig, weil der Sender so die Chance hatte ohne Ende Werbeblöcke einzuschieben. Zudem wurde der Einmarsch der Atlethen verkürzt und angeblich, da sowieso niemand des Mandarin-Alphabets mächtig ist (welches die Reihenfolge der Länder vorgab), der Einmarsch der US-Amerikaner nach hinten geschoben wurde. Das kann ich mir insofern gut vorstellen, als ich im SZ-Live-Ticker bereits nachmittags gelesen hatte Deutschland maschierte als Nummer 199 ein, China war das Schlusslicht als Nummer 207. Bei NBC liefen aber noch mehr als 10 Nationen nach den Deutschen ein bevor die Chinesen kamen. Den Olympischen Eid haben sie sicherheitshalber ganz gestrichen. Zum Dopingthema gibt es auf spiegel.de ein glaubhaftes Interview mit einem mexikanischen Doping-Dealers.
Als dann der Kommetator am Schluss ankündigte, dass am nächsten Abend ebenfalls zur Prime-Time die Finalläufe der Schwimmer Live gezeigt würden, dachte ich, der will alle Zuschauer für dumm verkaufen, bis ich begriff, dass NBC seinen Einfluss gelten gemacht hat und die Schwimmer wie die Turner tragen ihre Finals am Morgen aus. Das ist eigentlich nichts neues, das wurde schon 1988 in Seoul aus den gleichen Gründen so gehandhabt. So dreht sich bei NBC alles nur um Micheal Phelps und seine Mutter. Die Deutschen sieht man gar nicht, was aber eher an deren Leistungen liegt, als an dem USA-Fokus der Berichterstattung.

Mittwoch, 6.August 08
Nach 10 Tagen bin ich wieder zurück von den echten Vereinigten Staaten: Dort wo es keine Bürgersteige gibt, bei jedem Haus in der langen Einfahrt midestens zwei Autos stehen und einer davon ist ein SUV. Alle Häuser haben eine Veranda und eine Porch und die Grundstücke sind so groß, dass der Nachbar nicht zu sehen ist. Da ist klar, dass alles mit dem Auto gemacht werden muss. Zudem es so schwül-heiss ist, dass man es nur in den vollklimatisierten Häusern und Geschäften aushält.
Spartanburg, S.C. (South Carolina, der Peach-Staat) liegt im Bible-Belt. Jede Straßenkreuzing scheint ihre eigene Kirche mit seperater Glaubensrichtung zu haben. Aber wir wohnten dort bei Freunden, die nur von Bushy oder von Scrub (Gestrüpp) sprachen wenn sie Double-U meinten.
Auf dem Weg dorthin - 1200 km mit dem Auto - übernachteten wir zwei Nächte im Shenandoah National Park (südlich von Washington) und 10 Minuten nach unserer Einfahrt kreuzte ein erster Bär die Straße. Das blieb leider der einzige, den wir zu Gesicht bekamen, aber Rehe oder deers sahen wir ganz viele, die meisten hatten keine Angst vor den Menschen.